Themenschlagwort :     Religions-und Kleruskriminalität

Unterthema :      Zum KZ-Gedenktag : Juden hassende Kirche begünstigt die                                       Judenverfolgung

Zum Machterhalt verstößt der Klerus der kath. Kirche massiv gegen seine Lehren

Ein Kommentar der IgG 
Erstellt: 2019; Änd.- Stand: 12.03.2020  


Wadgassen, 2019. Wir von der Intressengemeinschaft gegen Grundgesetzbruch (IgG) treten für die rechtzeitige, öffentliche Bekanntgabe von unangenehmen Wahrheiten ein, was die Betroffenen, die sich damit unerlaubte Vorteile verschafft haben, ärgert. Doch friedliches Zusammenleben erfordert Vertrauen, das nur auf Ehrlichkeit und Transparenz zuverlässslig gelingt. Organisationen, die offiziell mit Ehrlichkeit und Gerechtigkeit ihr Wirken fundamental betreiben, sind Religionen. Vieles, was sie lehren und betreiben ist für ihre Gläubigen nützlich, doch eine Menge davon, was mit Wahrheitsverdrehung, Verschleierung und Täuschung entstanden ist, ist für die Gläubigen wie auch für das Ansehen der Religionsvertreter sehr schädlich.
Wir wollen uns mit der hier am weitesten verbreiteten, christlichen Religion befassen, deren Organisationen mit ihren Vertretern immer wieder in der Öffentlichkeit am Pranger stehen: die Katholische Kirche.
Es muss erwähnt werden, dass geschichtlich die Kirchenmachthaber etwa 1500 Jahre die Gläubigen beherrscht haben, wobei die dazu angewandten Mittel und Methoden oft nicht im Sinne ihrer Lehre waren. Sie bereicherten sich ständig an den Vermächtnissen ihrer blindgläubigen Gläubigen, denen dafür ihr Seelenheil im Himmel vorgegaukelt wurde. Unrechter Lebenswandel, Intriegen, Folter, Morde, Kriege waren immer wieder Mittel ihrer Herrschaftszeiten. Nach dem 30-jährigen Religionskrieg, der mit dem Westfälischen Frieden von 1648 beendet wurde, haben sich die katholische Kirche und die evangelische Kirche als jeweils eigenständige Religionsgemeinschaft gegenseitig anerkannt. Damit waren die Missetaten der Kirchenvertreter nicht abgeschlossen. Bis ins 18. Jahrhndert wurden von Menschen die Besitzungen vom Staat oder von den Kirchen einverleibt (konfisziert), die sich wegen alledem von der Kirche abgewandt hatten, oder welche, die durch Denunzierungen zu Kätzern bzw. Hexen diffamiert sowie deswegen gefoltert und danach grausam ermordet wurden (Inquisition).

Spätestens an dieser Stelle passt es, aus der Bibel zu zitieren, wo Jünger Markus in Kapitel 13 (38 bis 40) als Warnung von Jesus vor den Schriftgelehrten uns mitgeteilt hat:

Und er sprach in seiner Lehre : "Hütet Euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen wollen und die Begrüßungen auf den Märkten und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern (lieben); die, die Häuser der Witwen verschlingen und zum Schein lange Gebete halten! Sie werden ein schweres Gericht empfangen."

So wie Jesus von den Schriftgelehrten sprach, hätte er auch das den deutschen Christen in der Nazizeit sagen können, als diese die Judenverfolgung betrieben. Dazu hat 2013 Reinhard Jellen einige Fragen an den Autor Dirk Verhofstadt gerichtet, der sich in seinem Buch "Pius XII. und die Vernichtung der Juden", Teil 2 mit dem heuchlerischen und kriminellen Verhalten der Katholischen Kirche eingehend befasst hat.

Hätte sich Papst Pius XII. an seine Bibel gehalten, hätte er Hunderttausende retten können, wenn sich die Kirche, anders als ihre offizielle Version, tatsächlich in den Widerstand begeben hätte. Stattdessen unterstützte sie tatkräftig die Nazis wie auch die Faschisten. Der Vatikan war die wichtigste innenpolitische und außenpolitische Stütze der Nazis !!!



Zu Teil 1: Die katholische Kirche und der Holocaust

Am kroatischen Genozid an den orthodoxen Serben und serbischen Juden während des Zweiten Weltkrieges, als 750000 Serben umgebracht wurden, war die katholische Kirche sogar direkt beteiligt. Katholische Priester (vor allem Franziskaner-Pater) waren als Täter am Massenmord beteiligt. Diese waren so grausam, dass sogar die Deutschen dagegen Protest einlegten.

Später half die katholische Kirche mehreren Massenmördern zur Flucht. Im Jahr 2009 wurde Pius XII. von Papst Benedikt wegen seiner heroischen Tugenden für "ehrwürdig" erklärt, womit eine erste Hürde in Richtung Heiligsprechung genommen wurde.

Was wusste der Vatikan überhaupt von den Massenmorden an Juden im Osten? Wurden diese Informationen genutzt, um sie öffentlich zu machen oder sie an andere Regierungen weiterzuleiten?

Dirk Verhofstadt: Der Vatikan wusste sehr gut, was im Osten mit den Juden geschah: Zum Beispiel beschreibt der griechisch-katholische Vertreter in Lwów, Andrzej Szeptycki, in einem Brief an den Papst vom 31. August 1942 den Massenmord an den Juden und der lokalen Bevölkerung. "Schon mehr als ein Jahr ist kein Tag vergangen, wo nicht schreckliche Verbrechen begangen wurden. Die Juden sind die ersten Opfer. In unserem Land sind jetzt bereits mehr als 200.000 Juden ermordet. In dem Maße, wie die Armee weiter nach Osten zieht, steigt die Zahl der Todesopfer.
In Kiew wurden in einigen Tagen bis zu hundertdreißigtausend Männer, Frauen und Kinder getötet. Alle kleinen Städte in der Ukraine haben diese Massaker erlebt und dies läuft bereits ein Jahr lang. (...) Die brutale und kriminelle Weise, wie die Deutschen die Juden behandeln, wird von Tag zu Tag schlimmer. Es passiert, dass sie in den Straßen der Stadt nur so Juden erschießen unter den Augen der Passanten."

Am 18. September 1942 schrieb Giovanni Battista Montini, der Stellvertreter von Kardinal Maglione und spätere Papst Paul VI., an den Heiligen Stuhl: "Die Morde an den Juden haben schreckliche und beängstigende Ausmaße und Formen angenommen. Jeden Tag geschehen schreckliche Massaker, es scheint, dass man zu Mitte Oktober ganze Ghettos leer machen und die Hunderttausende von Unglücklichen, die dort schmachten, los werden will."

Am 5. Mai 1943 notiert Maglione selbst: "Juden. Schockierende Situation. 4,5 Millionen Juden in Polen vor dem Krieg, man erwartet nun, dass sogar weniger als 100.000 übrigbleiben (die aus anderen von den Deutschen besetzten Ländern eingeschlossen). In Warschau wurde ein Ghetto eingerichtet, das etwa 650.000 umfasste, heute sollen es 20 bis 25.000 sein.

Natürlich sind viele Juden der Kontrolle entwichen, aber es gibt keinen Zweifel, dass die meisten von ihnen vernichtet wurden. Nach monatelangen Transporten von Tausenden und Abertausenden von Menschen, von denen nichts mehr zu hören ist, kann das durch nichts anderes als durch den Tod erklärt werden (...). Spezielle Todeslager in Lublin (Treblinka) und Brest-Litowsk. Es wird gesagt, dass sie zu mehreren Hundert in Räumen eingesperrt und mit Gas umgebracht werden. Dorthin gebracht in Viehwagen, hermetisch abgeschlossen, auf dem Boden ungelöschter Kalk." - Der Vatikan hat mit diesen Informationen nichts gemacht.

"Die Bischöfe ließen alle Kirchenglocken für den Sieg des Deutschen Reiches läuten"

Wie reagierte die katholischen Kirchenführer in Deutschland auf den Polenfeldzug, während und nach dem ein Fünftel des polnischen Klerus ermordet wurde?

Dirk Verhofstadt: Hitler ging mit dem Krieg gegen Polen ein großes Risiko ein, denn es bestand die Gefahr, dass der Papst und die katholischen Bischöfe diesen missbilligen würden. Doch sie taten es nicht. Die deutschen katholischen Kirchenführer hießen diesen Überfall sogar gut, trotz der Tatsache, dass Zehntausende katholischer Polen, darunter Hunderte von Priestern, ermordet wurden. In einem gemeinsamen Hirtenbrief an die deutschen Soldaten erklärten sie: "In dieser entscheidenden Stunde ermuntern und ermahnen wir unsere katholischen Soldaten, in Gehorsam gegen den Führer, opferwillig unter Hingabe ihrer ganzen Persönlichkeit ihre Pflicht zu tun. Das gläubige Volk rufen wir auf zu heißem Gebet, dass Gottes Vorsehung den ausgebrochenen Krieg zu einem für Vaterland und Volk segensreichen Erfolg und Frieden führen möge."

Der Bischof von Hildesheim, Machens, hetzte die Gläubigen seiner Diözese sogar noch zusätzlich auf: "Ein Krieg ist ausgebrochen, der uns alle, Heimat und Front, Wehrmacht und Zivilbevölkerung, vor die gewaltigsten Aufgaben stellt. Darum rufe ich Euch auf: Erfüllt Eure Pflicht gegen Führer, Volk und Vaterland! Erfüllt sie im Felde und daheim! Erfüllt sie, wenn es sein muss, unter Einsatz der ganzen Persönlichkeit!"

Sein Kollege Konrad Gröber, Erzbischof von Freiburg, sprach von der Pflicht eines jeden deutschen Soldaten, sein Leben, wenn nötig, zu opfern: "Dienst aus Pflicht, vor Gott übernommen durch einen Eid; der Tod ist die letzte Hingabe an Vaterland und Volk. Soldatentod ist damit Opfertod, Opfertod ist Heldentod. Heldentod ist ehrenvoller Tod."

Mehr noch, die Bischöfe von Köln und Paderborn appellierten mit der "vollen Macht ihres heiligen Amtes" an die Gläubigen, ihre "patriotische Pflicht" zu erfüllen. Einige Tage nach dem Sieg am 30. September 1939 ließen die deutschen und österreichischen Bischöfe alle Kirchenglocken für den Sieg des Deutschen Reiches über Polen läuten, obwohl viele katholische Soldaten wie auch Zivilisten und Juden getötet worden waren. Der Papst protestierte nicht, trotz der wiederholten Aufforderungen der Alliierten an den Heiligen Stuhl - vor allem seitens Frankreichs und der polnischen Exilregierung -, die Aggression der Deutschen zu verurteilen.

Wie haben die französischen Bischöfe während der deutschen Besatzung auf antijüdische Maßnahmen reagiert?

Dirk Verhofstadt: Die Mehrheit des französischen Episkopats, etwa 70 der 76 Bischöfe, und der Vatikan begrüßte das neue Regime von Marschall Pétain. Unmittelbar nach der Niederlage fing im Mai 1940 die neue Regierung Pétain an, eigene Gesetze zur Diskriminierung der Juden zu erarbeiten, was in der Bevölkerung auf geringen oder keinen Widerstand stieß.

Der Vatikan habe keine grundsätzlichen Einwände gegen die "Beschlagnahme des Besitzes der Juden, die Wegnahme ihrer Lebensgrundlagen und ihre Marginalisierung in der französischen Gesellschaft". Ab 1942 wurden Juden aus Frankreich nach Auschwitz deportiert. Der Papst und die französischen Bischöfe schwiegen.

"Die Abscheu der christlichen Führer vor dem Bolschewismus war sehr tief verankert "

Wie haben sich Vatikan und Klerus zum Vernichtungsfeldzug der Nazis gegen die Sowjetunion verhalten? Welche Motivation kam hier zum tragen?

Dirk Verhofstadt: Die Unterstützung der Kirchen nahm nach dem Einmarsch der Wehrmacht in die Sowjetunion am 22. Juni 1941 noch zu. Bei ihrem Treffen in Fulda vom 24. bis 26. Juni 1941 riefen die Bischöfe die Gläubigen auf, ihre patriotische Pflicht zu erfüllen. Deutsche katholische Kirchenführer wie Bischof Michael Rackl von Eichstätt, Erzbischof Lorenz Jäger von Paderborn, Bischof Joseph Kumpfmüller von Augsburg, Kardinal Clemens August von Galen von Münster, Erzbischof Conrad Gröber von Freiburg und Kardinal Michael Faulhaber von München äußerten sich in Predigten und Hirtenbriefen positiv zu diesem Überfall.

Sie fanden ihn nutzbringend, "weil er dem heiligen Willen Gottes folgte". Die Invasion Russlands hatte zur Folge, dass selbst die konservativen und religiösen Kritiker des Regimes sich nun hinter die Nazis scharten, denn die Abscheu der christlichen Führer vor dem Bolschewismus war in der Tat sehr tief verankert.

Jedenfalls kam von den deutschen Bischöfen kein öffentliches Wort des Protestes gegen die monströsen Gräueltaten an der Ostfront, worüber sie sicherlich durch die Militärseelsorger informiert wurden. Es gab, im Gegenteil eine bemerkenswerte Richtlinie von Kardinal Faulhaber aus dem Jahr 1941, wie Proteste gegen die deutsche Regierung formuliert werden sollten.

Demnach sollten Pastoralbriefe keine Aussagen enthalten, welche das Ansehen des Volkes oder der Regierung schädigen könnten und Faulhaber fügte in Klammern einige Beispiele an: "(jüdische Frage, Behandlung der russischen Kriegsgefangenen, SS-Gräueltaten in Russland etcetera)". Die elf Punkte in Klammern, die der Brief erwähnt, sind von besonderem Interesse. Sie beweisen, dass Kardinal Faulhaber und durch diesen Brief alle deutschen Bischöfe im November 1941 Kenntnis von den Gräueltaten an der Ostfront hatten.

In Jugoslawien waren katholische Geistliche häufig an der Ermordung von Juden und Serben direkt beteiligt ...

Dirk Verhofstadt: Die Proklamation des unabhängigen Staates Kroatien wurde unverzüglich von den Bischöfen und dem katholischen Klerus unterstützt. Bereits in der ersten Woche nach der Machtübernahme verübten die katholischen Kroaten schreckliche Gewalttaten in den Regionen von Kordun, Bjelovar und in dem Dorf Glina. Sie zerstörten ganze Dörfer, zwangen Menschen, ihr eigenes Grab zu graben und begruben sie lebendig. Dass sogar die deutsche SS von der Brutalität des Regimes geschockt war, geht aus einem Polizeibericht vom Februar 1942 hervor.

Viele katholische Priester und Franziskaner beteiligten sich an den Razzien, Deportationen und Massenmorden mit Messern, Äxten und Fleischerhaken. Priester wie Antun Ðjuric, Božo Šimleša, Marko Cakušic, Ante Klaric, Dragutin Kamber, Branimir Župancic, Franjo Udovic, Marko Zovko und Mate Moguš übernahmen die Führung bei solchen Massakern. Gut eine halbe Million Serben, Juden, Sinti und Roma wurden deportiert oder in den vielen Konzentrationslagern des Landes getötet.

Wie hat der 1943 Papst auf die Judenvernichtung in Italien reagiert?

Dirk Verhofstadt: Als Edoardo Senatro, ein Korrespondent von L’Osservatore Romano, den Papst 1943 fragte, warum er nicht gegen die Vernichtung der italienischen Juden protestiert hatte, sagte Pius XII.: "Lieber Freund, vergessen Sie nicht, dass sich in der deutschen Armee Millionen Katholiken befinden. Soll ich sie in einen Gewissenskonflikt bringen?"

Können Sie mutmaßen, warum Mein Kampf, anders als die Schriften von Descartes, Spinoza, Cervantes und Balzac niemals auf dem Index der katholischen Kirche gelandet ist?

Dirk Verhofstadt: Nein, aber es ist besonders bizarr. Mein Kampf von Adolf Hitler kam nie auf den Index der verbotenen Bücher. Selbst nicht 1948, als die Indexkommission noch einmal ihre schwarze Liste ergänzte, unter anderem um die Méditations von René Descartes, den Lettres Persanes von Charles Montesquieu und Le Rouge et le Noir von Stendhal.

Der Vatikan hat alle Katholiken, die mit Kommunisten zusammenarbeiten mit Exkommunikation gedroht. Wie viele hochrangige Nazis und Judenmörder hat die katholische Kirche exkommuniziert?

Dirk Verhofstadt: Es ist tatsächlich überraschend, dass die Kirche nie einen hochrangigen Nazi exkommuniziert hat. Nicht Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Hermann Göring, Joseph Goebbels, Martin Bormann, Julius Streicher, Adolf Eichmann, Josef Mengele und andere Naziverbrecher. Anstatt diese Massenmörder zu verurteilen, spielten kirchliche Würdenträger eine besonders dubiose Rolle bei der Flucht von Nazis und anderen faschistischen Führern nach Lateinamerika oder in den Nahen Osten.

"Der Vatikan half Kriegsverbrechern"

Welchen Naziverbrechern hat denn die katholische Kirche nach dem II. Weltkrieg geholfen unterzutauchen?

Dirk Verhofstadt: Wir sind sicher, dass die Kirche NS-Verbrecher Franz Stangl (Kommandant der Vernichtungslager Sobibór und Treblinka), Eduard Roschmann (dem zweiten Kommandanten des Ghettos von Riga), Otto von Wächter (Vizegouverneur von Polen), und Ante Pavelic (Führer von Kroatien) zur Flucht verholfen hat. Außerdem gibt es den starken Verdacht, dass sie bei Adolf Eichmann, Erich Priebke, Walter Rauff, Gustav Wagner, Alois Brunner und Josef Mengele das gleiche getan hat. Pius XII. war sich ihrer Verbrechen sehr wohl bewusst, wie sie unter anderem von Pavelic begangen worden sind.

Der Vatikan half also Kriegsverbrechern und missbrauchte seine diplomatischen Privilegien. Ohne den Schutz des Vatikans hätten die "Rattenlinien" nicht existiert und die Massenmörder hätten sich für ihre Handlungen vor einem internationalen Gericht, wie in Nürnberg, verantworten müssen.

"Faulhaber war tief von Hitler beeindruckt"

In München existiert bis zum heutigen Tag eine Kardinal-Faulhaber-Straße. Welche Rolle spielte dieser Kardinal während des Faschismus?

Dirk Verhofstadt: Ursprünglich kritisierte Faulhaber Hitler, aber nach der Übernahme der Macht wurde er zu seinem Anhänger, vor allem wegen seiner Abneigung gegen den Bolschewismus. Am 17. März 1933, schickte Faulhaber einen Brief an den Führer, in welchem er ihm seinen Dank aussprach für "sein Lebenswerk, um den Marxismus in allen Formen, und besonders den Kommunismus, als Grundsatz für die Organisation der Wirtschaft und des Staates zu zerstören".

Weiter schrieb er am 24. Juli 1933 einen persönlichen Brief an Hitler und gratulierte ihm zu dem Konkordat: "Was die alten Parlamente und Parteien in 60 Jahren nicht fertig brachten, hat Ihr staatsmännischer Weitblick in 6 Monaten weltgeschichtlich verwirklicht. Für Deutschlands Ansehen in Ost und West und vor der ganzen Welt bedeutet dieser Handschlag mit dem Papsttum, der größten sittlichen Macht der Weltgeschichte, eine Großtat von unermesslichem Segen."

Am 4. November 1936 hatte er ein persönliches Gespräch mit Hitler. Er war offensichtlich tief von ihm beeindruckt. Er schrieb: "Der Reichskanzler lebt ohne Zweifel im Glauben an Gott. Er anerkennt das Christentum als den Baumeister der abendländischen Kultur."

Können Sie eine Schätzung abgeben, wie viele Menschenleben der Papst retten hätte können, wenn er sich öffentlich gegen die Judenvernichtung ausgesprochen hätte?

Dirk Verhofstadt: Das ist nicht exakt möglich, aber ich nehme an, er hätte auf jeden Fall Hunderttausende retten können. Einige sagen, wenn er gesprochen hätte, dann hätte es noch mehr Tote gegeben. Aber was heißt "noch mehr"? Vor dem Krieg lebten mehr als drei Millionen Juden in Polen. Knapp acht Prozent, überlebten die Shoah. Ein öffentlicher Protest und eine Drohung von Pius XII., dass er zum Beispiel jeden katholischen Mörder exkommunizieren würde, hätten zweifellos zu zwei Konsequenzen geführt.

Erstens wären bei vielen gläubigen Tätern Zweifel über die moralische Rechtmäßigkeit ihres Tuns aufgekommen. Zweitens hätte eine öffentliche Verurteilung die Juden selbst gewarnt, wie ernst die Situation war, und sie zu Flucht, Untertauchen oder sogar Widerstand angespornt. Das kann ganz besonders im Fall der Hunderttausenden ungarischen Juden angenommen werden, die erst ab Mai 1944 deportiert wurden - also zu einem Zeitpunkt, als der Papst und andere Kirchenführer umfassende Kenntnis über die geplanten Morde hatten.

So ist es auch unverständlich, weshalb der Papst, als am 16. Oktober 1943, während einer Razzia in Rom mehr als tausend Juden verhaftet wurden und zwei Tage lang vor Ort inhaftiert blieben, nicht aus seinem Palast hervorkam oder über Radio Vatikan protestierte.

Ein öffentlicher Auftritt des Papstes, wie nach der Bombardierung von Rom, hätte hier eine unglaubliche Wirkung gehabt. Die Lastwagen mit den gefangenen Juden waren zu Fuß von seinem Palast aus zu erreichen. Ein einziges Foto von Pius XII., protestierend vor einem dieser Wagen, hätte den Schaden, sowohl physisch als auch moralisch, erheblich reduziert. Es hätte Pius einen Platz unter den "Gerechten unter den Völkern" gesichert und ihn vielleicht zu einem der größten moralischen Wohltäter der Weltgeschichte erhoben. Das Foto gibt es nicht.

"Eindeutige Präferenz des Vatikans für Faschismus und Nazismus"

Warum hat Pius XII. sich so zurückgenommen?

Dirk Verhofstadt: Die Antwort scheint mir nicht nur religiöser, sondern eher geopolitischer Natur zu sein. Seit der Abschaffung des Kirchenstaates im Jahre 1870 war die katholische Kirche in die Defensive geraten. Die zunehmende Säkularisierung und der Erfolg der sozialistischen und liberalen Emanzipationsbewegungen im späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert stellten sich für die Päpste als tödliche Bedrohung der Kirche dar.

Dass die katholischen Führer zum vorrückenden Kommunismus und Sozialismus äußerst negativ eingestellt waren, ist gut bekannt. Dass sie sich aber auch mit Vehemenz gegen den demokratischen Liberalismus wendeten, wird oft verschwiegen. Es gibt jedoch genügend Belege, dass sich die Päpste Pius XI. und Pius XII. heftig gegen grundlegende liberale Werte wie Trennung von Kirche und Staat, Freiheit der Meinungsäußerung, Gleichheit aller Menschen und insbesondere gegen das Recht auf Selbstbestimmung wandten.

Diese eindeutige Präferenz des Vatikans für Faschismus und Nazismus und gegen Kommunismus, Sozialismus und Liberalismus in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ist der Grund, warum besonders Pius XII. so seltsam still blieb, als die Juden diskriminiert, verfolgt, deportiert und schließlich vernichtet wurden. Die Interessen der katholischen Kirche hatten offenbar Vorrang gegenüber dem Leben von Millionen von Juden in Europa. Die Schoa war der Preis, den die katholische Kirche zu zahlen bereit war, um ihre Position zu schützen und zu stärken.

Es existieren Pläne der katholischen Kirche, Papst Pius XII. heilig zu sprechen. Halten Sie das für eine gute Idee?

Dirk Verhofstadt: Die katholische Kirche will Pius XII. in der Tat heilig sprechen. Dass die Kirche jemanden heilig spricht, ob geeignet oder nicht, ist erst einmal eine Sache der Kirche selbst, so wie jeder Verein beschließen kann, eines seiner Mitglieder auszuzeichnen. Aber angesichts des größten Verbrechens in der Geschichte hat eine solche Heiligsprechung natürlich eine weitaus größere Bedeutung.

Damit würde offiziell anerkannt, dass Pius XII. in allem, was er tat, nach Gottes Willen gehandelt hat. Es wäre noch eine weitere Beleidigung für die sechs Millionen Juden, die ermordet wurden, weil ihre christlichen Peiniger sie als Untermenschen und als Gottesmörder betrachteten. Erneut würde das hohe christliche Prinzip der Nächstenliebe zu einem wertlosen Begriff herabgesetzt.

"Die Heiligsprechung Pius XII. wäre, wie die von Pius IX - dem Feind von Juden und Protestanten, von Menschenrechten, Religionsfreiheit, Demokratie und moderner Kultur - eine vatikanische Farce und eine Verleugnung der jüngsten päpstlichen Schuldbekenntnisse" sagt Hans Küng. Wenn die Kirche bestimmte Menschen für heilig erklären will, für ihren Mut, ihre Liebe zu den Mitmenschen und ihre selbstlose moralische Kraft, dann sollte sie nicht Pius XII. auswählen, sondern die Tausenden "Gerechten unter den Völkern".

Dieser Titel wird von Yad Vashem in Jerusalem verliehen, das in Erinnerung an die Juden, die während des Holocaust ermordet wurden, gegründet wurde. Und in Erinnerung an die Nicht-Juden, die ihr Leben für die Rettung von Juden riskierten. In der Regel waren das ganz gewöhnliche Menschen: Bauern, Arbeiter, Hausfrauen, auch Priester und Nonnen, die keine Bibel und keinen päpstlichen Rat brauchten, um zu erkennen, dass sie Mitmenschen in Not helfen müssen. Sie sind die wahren Heiligen.

IgG


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